Eine Person plant Urlaub in Österreich. Ruhig soll es sein, gutes Essen, kein Wellnesstempel und optimal für Kinder. Das über Google zu suchen, beansprucht sehr viel Zeit. Also kein Google, sondern ChatGPT: „Ich suche ein ruhiges Hotel im Österreich, familiär, gute Küche mit regionalen Produkten. Meine Kinder sollen sich wohl fühlen und es soll Unterhaltung für sie geben, damit wir ausspannen können.“ Die KI nennt vier Häuser, beschreibt diese kurz, eines klingt genau richtig. Die Person schließt den Chat, öffnet Google, tippt den Hotelnamen ein, klickt auf die Website, schaut sich die Bilder an und bucht.
Was steht in Google Analytics? Branded Search. Vielleicht auch Direct.
ChatGPT taucht selten auf. Und wenn, dann nur, wenn der Klick aus dem Chatfenster direkt kam und der Referrer-Header sauber übertragen wurde.
Was der Dark Funnel ist
Das ist der Dark Funnel: Der Teil der Customer Journey, der in klassischen Analytics-Tools kaum mehr sichtbar wird. KI empfiehlt, filtert, beeinflusst die Entscheidung, und wenn jemand schließlich klickt, fehlt oft der Zusammenhang im System. Die Entscheidung ist längst gefallen, bevor GA4 irgendetwas registriert hat.
Studien zeigen, dass nur 60 bis 80 Prozent aller KI-initiierten Besuche einen sauberen Referrer-Header mitbringen. Der Rest landet als Direct Traffic oder bleibt unkategorisiert. Deshalb ist auch der neue AI Assistant Channel in GA4 nur ein Anfang: Seit dem 13. Mai 2026 erkennt GA4 Traffic von ChatGPT, Gemini, Claude etc. automatisch als eigene Kanalgruppe namens AI Assistant (global ausgerollt seit Anfang Juni). Was er abbildet, ist jedoch nur die Untergrenze. Was er nicht sieht, sind In-App-Browser, mobile Apps, Copy-Paste-Links, und Google AI Overviews, die weiterhin unter Organic Traffic laufen.
Warum sinkende Klickzahlen trotzdem kein Alarmsignal sein müssen
Im ersten Blogpost haben wir gesehen, dass 70 % des B2B-Kaufprozesses abgeschlossen sind, bevor ein Anbieter das erste Mal kontaktiert wird. Der Dark Funnel ist genau der Ort, wo diese 70 % passieren. Unsichtbar für jedes Dashboard.
Was man stattdessen beobachten kann: steigender Direktzugriff, mehr Markennennungen, mehr eingehende Anfragen ohne klaren Tracking-Ursprung. Indizien zwar nur, keine Beweise. Aber sie zeigen in eine Richtung.
Die gute Nachricht: GA4 bleibt sinnvoll. Trends im User-Flow, welche Inhalte Interesse erzeugen, generelles Nutzerverhalten auf der Website, das lässt sich weiterhin gut ablesen. Was es alleine nicht mehr beantworten kann: Welche Rolle KI im Kaufprozess gespielt hat. Welche (Verkaufs)Argumente Kund:innen tatsächlich überzeugt hat und welchen Entscheidungsprozess sie gefolgt sind.
Höhere Qualität der Klicks, die ankommen
Wer durch den Dark Funnel auf der Website landet, verhält sich anders als ein durchschnittlicher Google-Besucher. Eine Analyse von 312 B2B-Technologieunternehmen zeigt eine durchschnittliche Konversionsrate von 14,2 % bei KI-Traffic, gegenüber 2,8 % bei organischem Google-Traffic, also rund 5x so hoch (Opollo AI Search Benchmark Report, 2026). Branchenübergreifend bestätigt Semrush den Faktor 4,4x (Semrush, 2026).
Der Grund: Wer über eine KI-Empfehlung kommt, hat die Recherche bereits hinter sich. Die KI hat gefiltert, erklärt, verglichen. Der Klick ist kein Zufall mehr, sondern ein nächster Schritt im Kaufprozess.
Was GA4 trotzdem zeigen kann
Ob AEO-Maßnahmen wirken, lässt sich auch ohne perfektes Attribution-Tracking beobachten. Denn GA4 kann zeigen, ob der Content näher an den echten Fragen der Nutzer:innen ist. Wenn ja, zeigt sich das: Längere Verweildauer, mehr besuchte Conversionseiten, niedrigere Absprungrate bei den Inhalten, die für spezifische Fragen optimiert wurden. Wer auf die richtigen Fragen antwortet, zieht die richtigen Besucher:innen an, und das lässt sich messen, auch wenn der genaue Weg dorthin im Dunkeln bleibt.
Welche Metriken dabei konkret Sinn machen und wie man Citations trackt, schauen wir uns im nächsten Beitrag an.